Immobilienertragsteuer: Was hat sich bei gemischten Schenkungen geändert?

 

Wird ein privates Grundstück entgeltlich übertragen, so werden die Einkünfte grundsätzlich mit Einkommensteuer in Höhe von 30 % besteuert. Bei unentgeltlichen Grundstücksübertragungen, wie bei einer Schenkung, kommt es zu keinem einkommensteuerpflichtigen Vorgang. Somit fällt auch keine Immobilienertragsteuer an. Der Begriff des Grundstückes umfasst Grund und Boden, Gebäude und Rechte, die den Vorschriften des bürgerlichen Rechts über Grundstücke unterliegen (grundstücksgleiche Rechte).

Die Einkommensteuerrichtlinien (EStR) als Rechtsmeinung des Finanzministeriums führen aus, dass eine Schenkung grundsätzlich nur bei Vermögensübertragungen unter (nahen) Angehörigen anzunehmen sei (Fremde pflegen einander gewöhnlich nichts zu schenken). Ertragsteuerlich wird in Anwendung der wirtschaftlichen Betrachtungsweise auch bei einer gemischten Schenkung Unentgeltlichkeit des gesamten Vorgangs angenommen (keine „Teilentgeltlichkeit“), wenn insgesamt Zuwendungsabsicht besteht und der Schenkungscharakter des Geschäftes überwiegt.

Bei einer gemischten Schenkung stellt sich allerdings die Frage, ab welcher Höhe der Gegenleistung noch eine unentgeltliche Übertragung oder eine bereits steuerpflichtige Veräußerung vorliegt.

Herrschende Praxis war, dass für die Abgrenzung zwischen entgeltlichen und unentgeltlichen Rechtsgeschäften entscheidend war, ob die Gegenleistung für die Übertragung des Wirtschaftsguts 50 % oder mehr (dann Entgeltlichkeit) oder weniger als 50 % (dann Unentgeltlichkeit) des gemeinen Werts des Wirtschaftsguts betrug. Aufgrund eines Urteils des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) wurden nun die EStR geändert. Für die Beurteilung bei Übertragungen nach dem 15.11.2021 gilt Folgendes:

 

  • Beträgt die Gegenleistung zumindest 75 % des gemeinen Wertes des übertragenen Wirtschaftsgutes, ist davon auszugehen, dass eine Veräußerung vorliegt.
  • Beträgt die Gegenleistung höchstens 25 % des gemeinen Wertes des übertragenen Wirtschaftsgutes, liegt eine unentgeltliche Übertragung vor.
  • Beträgt die Gegenleistung mehr als 25 % aber weniger als 75 % des gemeinen Wertes des übertragenen Wirtschaftsgutes, ist unter nahen Angehörigen grundsätzlich von einem unentgeltlichen Rechtsgeschäft auszugehen.

 

Dieser Raster wurde grundsätzlich in den EStR auch für die Themen Übertragung von Unternehmen und Erbauseinandersetzungen übernommen. Zudem wurden in den EStR unter anderem auch Regelungen für Übertragungen vor dem 16.11.2021 mit einer Gegenleistung zwischen 50 % und 75 % des Verkehrswerts aufgenommen.

 

kontakt

Moritschstraße 11
A-9500 Villach

T +43-4242-27054
F +43-4242-27054-21
E office@datex.at

 

 

unsere kanzlei

Unsere Bürozeiten
Montag bis Donnerstag:
08:00 Uhr - 16:00 Uhr

Freitag:
08:00 Uhr - 12:00 Uhr
sowie nach Vereinbarung

 

 

  • APPgruppe

Standorte
Team
Karriere
APPtodate
APPtowork

mehr erfahren

Tipps, wie Mitarbeiter zu einem Spitzenteam werden
Tipps, wie Mitarbeiter zu einem Spitzenteam werden   Vertrauensbasis, Führungsspanne, Kommunikation und Reflexion sind wesentlich für den...
Was ist ein Auskunftsbescheid?
Was ist ein Auskunftsbescheid?   Unter welchen Voraussetzungen kann ein Auskunftsbescheid beantragt werden? Besteht eine konkrete Rechtsfrage...
Übernahme der Homeoffice-Regelungen ins Dauerrecht
Übernahme der Homeoffice-Regelungen ins Dauerrecht   Wie können Tätigkeiten im Homeoffice im Jahr 2024 abgegolten werden? Da das Homeoffice...
Wo sind Informationen zum Nullsteuersatz in der Umsatzsteuer für Photovoltaikanlagen zu finden?
Wo sind Informationen zum Nullsteuersatz in der Umsatzsteuer für Photovoltaikanlagen zu finden?   Das Finanzministerium hat eine Reihe von...
Regelbedarfsätze für Unterhaltsleistungen für 2024
Regelbedarfsätze für Unterhaltsleistungen für 2024   Regelbedarfsätze sind unter bestimmten Voraussetzungen für den Unterhaltsabsetzbetrag...
Wann haben Arbeitnehmer eine Arbeitnehmerveranlagung abzugeben?
Wann haben Arbeitnehmer eine Arbeitnehmerveranlagung abzugeben?   Eine Reihe von Tatbeständen verpflichten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur...
Rechtsformwahl: Was ändert sich 2024 aus steuerlicher Sicht?
Rechtsformwahl: Was ändert sich 2024 aus steuerlicher Sicht?   Die Wahl der Rechtsform kann die Steuerlast wesentlich beeinflussen. Für die...
Mit Finanzplanung Liquiditätsengpässe aufdecken
Mit Finanzplanung Liquiditätsengpässe aufdecken   Eines der wichtigsten Ziele eines Unternehmens ist es, die Liquidität aufrechtzuerhalten....
Wie wurde der Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag ab 2024 gesenkt?
Wie wurde der Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag ab 2024 gesenkt?   Alle Dienstgeberinnen und Dienstgeber, die im Bundesgebiet Dienstnehmerinnen...
Besondere Fristen für Unternehmer im Februar
Besondere Fristen für Unternehmer im Februar   Bis Ende Februar sind unter anderem zusätzlich zu melden:   Unternehmerinnen und...
de_DE_formalGerman